Seit über 150 Jahren Schulfest in Roßwein
Am 20. August 1837 fand das erste Schulfest statt. Die 800 Kinder der Schulen trafen sich am frühen Morgen auf dem Kirchplatz und zogen von dort gemeinsam zum Schützenhaus. Einige trugen Armbrüste und einer ein Blasrohr denn man plante allerlei kriegerische Spiele, wie Scheiben- und Vogelschießen. Die stärksten Schüler schleppten die Stangen mit den Adlern, die mit der Armbrust in ihre Einzelteile zerlegt werden sollten.
Auf dem Festplatz wurden die Kinder dann mit einem Dreierbrötchen und Braunbier bewirtet. Nach verschiedenen Spielen, wie Topfschlagen, Ringewerfen, Tanz und Gesang bekam jedes Kind ein Geschenk. Schiefertafeln, Bleistifte, Schreibhefte, Federhalter, Dinge die es in der Schule gebrauchen konnte, so sah also das erste Schulfest aus. Das Schulfest wurde bis 1842 jedes Jahr gefeiert. Es wurde mit der Zeit immer mehr zum Volksfest, obwohl der Stadtrat gegen derartige Tendenzen war, man wollte es als Kinderfest erhalten.
Besonders der Stadtrichter Karl Napoleon Meding, ein Herr mit sehr konservativen Ansichten. Deutschland war damals im Umbruch, und Meding, als Anhänger der alten Herrschaftsrichtung, hatte etwas gegen die Ausrichtung solcher Volksfeste mit freiheitlicher Richtung. Die fortschrittlichen Stadtverordneten hatten manchen Strauß mit ihm auszufechten. Trotz aller Hemmnisse wurde das Schulfest mit der Zeit das Ereignis für die Rossweiner und ist es auch heute noch. Bereits 1838, beim zweiten Schulfest, sind sechs Fässer Bier durch die durstigen Rossweiner Kehlen geflossen. Eine Menge über die man beim diesjährigen Fest wohl nicht diskutieren wird. Im Laufe der langen Geschichte hat es immer wieder Notzeiten und Kriege gegeben, durch die das Schulfest aufgeschoben werden mußte. Auch der Aufwand bei der Ausrichtung vergrößerte sich. Das Jahr 1843 war ein Notjahr in dem das Schulfest schon nicht mehr in gewohnter Weise gefeiert werden konnte. Die Pausen zwischen den Festen wurden immer größer. Bereits 1891 war man beim Rhytmus von vier Jahren angelangt, der bis 1911 engehalten wurde. Durch den ersten Weltkrieg und die Inflation wurde das Schulfest 14 Jahre verschoben und erst 1915 wieder gefeiert. Während in diesem Jahr und auch 1929 das Fest von bürgerlichen wie auch linksgerichteten Parteien organisiert wurde, standen die Feste 1934 und 1937 ganz im Zeichen des Hakenkreuzes. Jahre später kam dann das Wörtchen "sozialistisch" dazu.
Im Grunde ist das Schul- und Heimatfest aber immer eine Herzenssache der Rossweiner geblieben. Es ist das Ereignis, für das sie keine Mühe und persönlichen Einsatz scheuen. Und so ist das auch dieses Mal wieder. 